Rennberichte

Meine Rennberichte zu absolvierten Rennen, vollständiger Rennbericht


P-Weg Marathon

am 15.09.2013 in Plettenberg - 1. Platz

Zwei Jahre sind seit meiner letzten Teilnahme beim P-Weg Marathon in Plettenberg vergangen, was mir in dieser Zeit gefehlt hat, wurde mir nun wieder eindrucksvoll vor Augen geführt. Hinzu kommt, dass das Rennen für mich sehr lehrreich war und ich obendrein endlich einen langgehegten Wunsch realisieren konnte.
Nachdem unser geschätzter Radsportverband uns Lizenzfahrern im letzten Jahr einen Strich durch die Rechnung machte und die Teilnahme an dieser unbeschreiblichen Veranstaltung untersagte, hat sich der Veranstalter in diesem Jahr dankenswerterweise dazu nötigen lassen, beim BDR zu melden und somit die Lizenzsportler (Nicht zu verwechseln mit Profis, wir machen dies auch nur als Hobby!) zurück an die Startlinie zu holen, vielen Dank!
Im letzten Jahr war ich gemeldet und musste kurzfristig aufgrund der beschriebenen Problematik verzichten, in diesem Jahr kam ich natürlich gerne der Aufforderung nach, mich an Ort und Stelle der Konkurrenz zu stellen und darüber zu berichten. Ich versuche mal, diesen Rennbericht in weniger Zeit zu erstellen, als ich das Rennen gefahren bin. Meine Fahrzeit war über die Mitteldistanz etwa 3:15h - Zeit läuft...
Sonntagmorgen halb fünf war die sinnlose Zeit des Rumliegens vorbei, den ersten Startschuss des Tages feuerte mein Wecker ab und endlich war wieder "Rennmodus" angesagt. Essen fassen, Klamotten und Rad verladen, Verpflegung einpacken - Abfahrt. Kurz nach sieben traf ich in bei recht angenehmen Temperaturen (mit Bekleidung...) in Plettenberg ein, Startunterlagen holen und zu meinen treuen Weggefährten und Rennfahrerbrüdern Tim und Nik auf`s Sofa im Infozentrum lümmeln, so könnte das immer sein. Die Vorfreude auf die bevorstehenden Kilometer im Rennstress war uns anzumerken, das Niveau der Gespräche lag schon da bereits neben der Costa Concordia auf Grund. Das dies sich im Rennen nicht wesentlich verändert, davon kann sich jeder gerne überzeugen, hängt euch einfach mal an Tim ran.
Die verbleibende Zeit bis zum Start wusste ich gut zu nutzen, 40 Minuten Warmfahren sind wohl auch für mich neuer Rekord. Zu meiner Überraschung stellte ich allerdings fest, dass sich kein Magnet zur Geschwindigkeits- und damit vor allem Entfernungsmessung an meinem Vorderrad befand, daher
1. Erkenntnis des Tages: NIEMALS KURZFRISTIG VOR DEM RENNEN OHNE PROBEFAHRT UMFANGREICHE WARTUNGSARBEITEN AM GERÄT DURCHFÜHREN!

Als ich zum Start rollte, sah es so aus, als ob es gleich losgehen würde, zumindest war ich einer der Letzten im ersten Startblock. Während des Wartens kam ein netter Herr zu mir und bedankte sich für meine Rennberichte, "Gerne, ich freue mich über ein Feedback sehr!". Die Tanzgruppe gab noch einen zum Besten, leider war für mich aus der Position kein Blick auf die Darbietung zu erhaschen, so schaute ich mir eben Männerwaden an, soweit denn welche zu erkennen waren. Erstaunlich viele hatten Bein- oder zumindest Knielinge an, "diese Mutti`s" dachte ich mir.

Startschuss - Verfolgungsjagd durch das Feld zur Spitze - Beine schon mal mit Laktat befüllt - nun kann scharf geschossen werden.
Noch in der Stadt geht es links weg und dann immer schon bergan. Oben steht ja schon der Zielbogen, dachte sich Stefan Danowski und zeigte der Konkurrenz sein gute Form. Auch ich sah verzückt zu, an Mitmachen war da aber nicht im Geringsten zu denken. Mit tauben Armen (Für all diejenigen, die das nicht kennen: Taube Arme kommen meist in Verbindung zu Blutgeschmack im Mund und schiefem Blick, brennenden Beinen sowie Schnappatmung.) erreichte ich die übergroße Bergziege auf dem Gipfel, am liebsten wäre ich da gleich wieder umgedreht und zurück zum Auto gerollt. Tim kam aber mit großen Schritten an mir vorbei, ihn wollte/ konnte ich nicht alleine lassen und kettete mich an ihn. Gerne hätte ich ihm Windschatten gespendet, aber die 2. Erkenntnis des Tages: "ICH bin die Mutti - mir ist kalt wie Sau!". Hätte ich mal Knie- und Armlinge an, ich könnte mit den anderen Radfahren, nicht nur Windschatten lutschen. Änderungen sind nun nicht mehr möglich, mit Tim und Stefan Mosch (Flying Legs) ging es zügig die Berge hoch und runter.

Das hier um Plettenberg RICHTIGE Berge stehen, sollte sich rumgesprochen haben, sausteil - dafür aber auch lang - geht es immer weiter hoch, der Regen der vergangenen Tage hatte dem Kurs erfreulicherweise wenig zugesetzt. Nach den ersten beiden Anstiegen und Abfahrten waren wir noch immer zu dritt auf der Verfolgung des Führungstrios, die Männer vorne sowie Tim und Stefan starteten auf der langen 94km Runde, ich favorisierte heute die PRINZESSINNENRUNDE über 74km. Die Prinzessin in unserer Gruppe war ich ja passenderweise auch, wenn ich mal in der Führung war, hatte ich das Gefühl, die beiden hinter mir bohren in der Nase. "Sorry Jungs, ich hätte gerne mehr getan - dann hätte es aber einen riesigen Knall gegeben und ich wäre explodiert."
Dritter Anstieg, 3. Erkenntnis des Tages: Beim Marathon in Plettenberg gibt es selbst auf der kurzen Distanz mehr Verpflegungsstationen als bei der Transalp auf 675km! Im Grunde kann man ohne Flaschen losfahren, ich habe eine Unberührte wieder mit ins Ziel gebracht, großartiger Einsatz der Helfer!!! Auch an diesem nicht so steilen Anstieg konnte ich nur mit größter Mühe und Kampflinie an meinen beiden Führungsmotorrädern dranbleiben, meinem geschulten Blick für Leckereien tat dies jedoch keinen Abbruch - ein Streckenposten hatte eine 1kg-Packung Haribo Colorado für Jule und mich bereitgestellt, leider fehlte mir die Zeit und Luft...
Kurz vor dem Ende des Anstieges ließen mich meine Begleiter alleine im Wald zurück, sie bogen auf die Zusatzschleife ab, ich wählte den kürzeren Weg der Mitteldistanz. Aus Position 6 wurde 1, aus "Tempo 150" wurde 30 - so ungefähr fühlte es sich an. Die Zeit alleine nutzte ich schließlich mit Ärgern über meine Dummheit mit dem Speichenmagneten, die einzige Orientierung über die Renndauer war die abgelaufene Zeit auf meiner Pulsuhr. Da hier gerade mal anderthalb Stunden angezeigt wurden, konnte ich mal locker noch mit dem Doppelten rechnen, bei meiner derzeitigen Geschwindigkeit vielleicht auch dem Dreifachen. So war es nur eine Frage der Zeit, bis von hinten jemand auffuhr, mit Marc Mensebach war es dann schließlich auch derjenige, welchen ich erwartete.

Er brachte, außer neuer Moral für mich und ein bisschen Sonnenschein (Danke!), keine weiteren Fahrer mit (Nochmal Danke!), gemeinsam ging es so in Richtung Plettenberg. Irgendwann fragte ich ihn mal, wie weit es noch sei, ungefähr 10km bis ins Ziel müsste ich noch überstehen.
Wie die Kräfteverhältnisse in unserem Duo sein würden, wurde ziemlich schnell klar, berghoch war ich der HANS, -runter das HÄNSCHEN. "Ok, keine guten Aussichten - aber an Wegfahren brauchst du gar nicht erst zu denken."
4. Erkenntnis des Tages: Das Studium des Höhenprofils oder gar das Höhenprofil selbst auf dem Lenker wäre bei Unkenntnis über die Strecke unter Umständen sehr hilfreich.
So ging es gemeinsam in die letzte Abfahrt, Marc war da nicht zu halten und folgerichtig erreichte er verdient als Erster die Ziellinie, für mich blieb der 1. Rang in der Altersklasse - also doch nicht so übel.

Um diesen "Trainings-Renntag" gelungen abzurunden, hängte ich neben 40 Minuten Ausfahren noch Körperhygiene, Pflege des Gefährts und der Ausrüstung dran.
5. Erkenntnis des Tages: Gott sie Dank gab es keine Sprünge, ich hätte dabei glatt das Hinterrad verloren...
6. Erkenntnis des Tages: Ruhewochen sind nichts für mich, Klaus Reinisch sagte mal zu mir: "Dies ist eine Erfindung, damit du nicht schneller wirst."

Die Zeit bis zur Siegerehrung verbrachte ich mit Freunden der gepflegten Unterhaltung bei Kaffee, Kuchen und Süßkram, der eingangs erwähnte langgehegte Wunsch ging dann bei der Siegerehrung endlich in Erfüllung:


Das Siegerfoto, wie der Name schon sagt, geschossen vom Sieger.

Um einige Erkenntnisse reicher machte ich mich schließlich dann doch auch auf den Heimweg, nächster Halt wird irgendwo in der Republik sein, vielleicht ja bei der Deutschen Marathon-Meisterschaft in Münsingen.
Im nächsten Jahr bin ich ganz sicher wieder in Plettenberg, wenn ich könnte, ich würde mir einen Wohnsitz dort zulegen, um noch an der Stadtmeisterschaft teilnehmen zu dürfen. Wer noch nie hier war, sollte sich die Veranstaltung unbedingt in seinen Kalender aufnehmen, bessere Stimmung gibt es bei keinem anderen Rennen!


Fotos der Sieger...

FOTOS: Sportograf (3), Sieger (1), Achim Scholz (1), weitere Bilder folgen...