Rennberichte

Meine Rennberichte zu absolvierten Rennen, vollständiger Rennbericht


P-Weg Marathon

am 12.09.2010 in Plettenberg - 1. Platz

Nach recht kurzer Nacht ging es am frühen Sonntagmorgen nach Plettenberg. Auf Grund meines nicht einsatzbereitem Bikes musste (durfte) ich auf das Trainingsrad von Timo Anders zurückgreifen. Dieses würde ich in Plettenberg in Empfang nehmen können, meine Laufräder mit dem Conti RaceKing habe ich aber selbst mitgenommen. In Plettenberg traf ich schließlich Timo zur Bikeübergabe und den nötigen Einstellungsarbeiten am Radl. Bremsen ausrichten, Sattelstütze hoch, Sattelneigung eher neutral, Lenkerhörnchen demontiert, Federung eingestellt usw. mussten noch fix getätigt werden, ehe ich meine Jungfernfahrt auf dem Pronghorn-Fully absolvierte. Diese verlief ganz vielversprechend, minimales Gewicht und ausgewogene Fahreigenschaften machten mich zuversichtlich für das Rennen.
Der Blick in die Startformation war wieder sehr beeindruckend, unzählige Fahrer, Zuschauer die richtig Stimmung machten und ein Moderator, der offensichtlich alle Fahrer beim Namen kannte, machten schon am Start einen allerbesten Eindruck von der Veranstaltung. Es schien, als ob die gesamte Stadt auf den Beinen wäre, irgendwo am Streckenrand stand und die Fahrer anfeuerten.

Doch gefahren sind wir natürlich auch noch, nach kurzer Fahrt durch die Stadt ging es stadtauswärts eine zum Ende hin überaus steile Straße zur lila Kuh hoch, das Laktat kam mir gefühlt aus allen Poren, aber die Stimmung am Streckenrand mit den vielen begeisterten Zuschauern trieben die Fahrer am Anschlag den Berg hoch. Nach der folgenden Abfahrt schlossen 4 Fahrer zu mir auf, darunter auch Vorjahressieger Marc Mensebach. Mit der Vorbelastung des Rennens vom Vortage hatte ich glücklicherweise kaum Probleme, daher wartete ich bis zum zweiten Anstieg, der mir vom Rennen 2008 noch in übler Erinnerung geblieben ist. Steilste Rampen, sehr lang und immer schön 300 Höhenmeter bergauf, doch aus unerfindlichem Grunde (…) fuhr ich wie ein Moped und ließ das große Blatt geschaltet und drückte mit aller Macht den Berg empor.

Kurz vor dem Gipfel stieß Johannes Közle (Team CMTB) zu mir, doch auf gemeinsame Sache wollte er nicht machen und fuhr konsequent und knallhart davon. Die unzähligen Zuschauer am Streckenrand feuerten uns lautstark an, da lief es mir eiskalt den Rücken herunter. Apropos runter, die Abfahrten konnte ich in ungeahnten Geschwindigkeiten absolvieren, das Hörnchen machte einen prima Job und hielt die Unebenheiten fern. Am Fuße des Berges ging es erstmal nicht wie gewohnt unmittelbar wieder rauf auf den Berg, sondern vielmehr wurde eine Stadt kreuz und quer passiert, weiterer Höhepunkt unter vielen war die Passage durch den Vorgarten des Altenheims, wo ich kurz die Orientierung verlor und beinahe in eine Gruppe älterer Herrschaften fuhr. Doch alles nichts zu dem, was noch kommen sollte: Urplötzlich fand ich mich in einem Schwimmbad wieder, nicht etwa auf der Liegewiese, nein, über das abgedeckte Duschbecken ging es unmittelbar am Beckenrand unter dem Jubel vieler Zuschauer um das Schwimmbecken herum, Stahlbrücke passiert und wieder raus aus dem Freibad. Im ersten Moment dachte ich noch, ich hätte mich verfahren, doch dann kam mir die Frage, was die ganzen Leute denn sonst hier wollen?! Die nächsten zwei Kilometer verbrachte ich in Gedanken mit der Verarbeitung des eben Erlebten, ich hätte ein Foto machen sollen, sonst glaubt mir das doch keiner… Vielleicht sollte ich mal eine Helmkamera besorgen!
Der dritte und letzte Anstieg des Tages behielt noch einmal ca. 400 Höhenmeter am Stück bereit, hier konnte ich gut und ohne Verschnaufpause die Pedale niederdrücken und konzentriert in die letzte Abfahrt zum Ziel hin gehen. Die Streckenposten verrieten mir, dass ich wohl zwischen einer und zwei Minuten Rückstand auf den Führenden habe, der Blick nach hinten gab auch keinen Grund zur Beunruhigung. Die teils technischen Passagen konnte ich auch dank unbekannter Federqualitäten sehr gut meistern und somit konnte ich als Zweiter in die Stadt einfahren. Diese war komplett mit Absperrgattern versehen, wie man es sonst nur von der Tour de France kennt, einfach großartig dieses Gefühl hier durchfahren zu können.


Fotos: Sportograf

Knapp 40 Sekunden hinter dem Sieger Közle konnte ich die Ziellinie passieren, absolut zufrieden und glücklich wurden schnell noch ein paar Fragen des großartigen Moderators beantwortet und dann ging es direkt zur Verpflegungsstation, die verlorene Energie wollte schließlich wieder zugeführt werden. Nach Ausfahren, Nachbereitung von Material und Körper bin ich noch mal bei den Sanitätern rein um meine Wunden vom Vortag reinigen zu lassen. Die Wartezeit bis zur Siegerehrung ging in dem Getümmel schnell vorüber, die Zeremonie war wie die gesamte Veranstaltung, nämlich absolut einmalig! Achso, in meiner Altersklasse habe ich damit den 1. Platz errungen!
An dieser Stelle noch einmal allerbesten Dank an Timo für den Untersatz, es war eine sehr schöne Erfahrung auf dem Bock. Nächste Woche möchte in den Bilstein-Marathon in Angriff nehmen, dann aber bitte auf gewohntem Rad, da fährt es sich doch am Besten.