Rennberichte

Meine Rennberichte zu absolvierten Rennen, vollständiger Rennbericht


P-Weg Marathon

am 11.09.2011 in Plettenberg - 1. Platz

Mal wieder so richtig schön angebrüllt worden? Nein? – Dann warst Du wohl nicht beim P-Weg-Marathon in Plettenberg.
Almauftrieb wird in Plettenberg auf eine andere Weise begangen, statt der Kühe auf den Weiden stehen am P-Weg-Wochenende die Einwohner der Stadt in den Anstiegen der umliegenden Berge, am Streckenrand in der Stadt und an den Highlights des Kurses.

Davon gibt es reichlich, ein Startberg der Stehvermögen abfragt, ein darauf folgender Berg, welcher noch gnadenloser und gefühlt nie endend ist und nicht zu vergessen die sensationelle Durchfahrt des Freibades - die Reihe der erwähnenswerten Streckenpunkte könnte ich beliebig erweitern.
Dass die Veranstaltung eine ganz Besondere ist, zeigt bereits die Startplatzvergabe. Innerhalb von sechs Stunden (wohlgemerkt in der Nacht!) sind die 1.000 Starterplätze für den Bikemarathon vergeben, würde es keine Begrenzung geben, die Stadt wäre sicher aus allen Nähten geplatzt. 2008 war ich zum ersten Mal beim P-Weg, seitdem bin ich ein P-Weg-Jünger. Damals finishte ich als Siebter der Gesamtwertung, 2010 wurde ich Zweiter und dieses Ergebnis wollte ich in diesem Jahr gerne bestätigen.
Da dies natürlich immer auch von der Konkurrenz abhängt und im MTB-Sport normal ist, wenn etwas nicht klappt, sollte man mit der Prognose des Rennausgangs eher verhalten sein. Meine persönliche Zielsetzung war ein Rang in den TOP-3, meine derzeitige Form sollte dies auch hergeben.

Nach dem sehr langen Dünsberg-Marathon in der Vorwoche hieß es diesmal unmittelbar nach dem Start das Messer auszupacken und mit allen zur Verfügung stehenden Muskeln die Kraft in Vortrieb umzuwandeln. Die kurze neutralisierte Phase endete direkt im erwähnten Startberg, der zum Ende hin unfassbar steil ist. Mit der Unterstützung unzähliger Zuschauer wurde aber auch dieser Berg fast zu einer Ebene - jedoch mit richtig viel Gegenwind!

Tröte, Ratsche, Trillerpfeife – so standen sie an der Schleife

Als Erster konnte ich den Gipfel erklimmen, meine Teamkollegen Tim-Christopher Stahnke und Nikolaus Syc nur unweit dahinter.

Durch die zahlreichen und ausgiebigen Regenfälle der vorangegangenen Tage, Wochen, Monate (... usw.) wurden vor allem die Abfahrten auf feuchtem und mitunter moosigem Asphalt zur Zitterpartie, die umsichtige Streckenabsicherung und –ausschilderung brachte aber größtmögliche Sicherheit für die Teilnehmer.
Da dem ersten Berg meist weitere folgen, hieß es die schon kräftig geforderten Muskeln zu schonen und sich moralisch auf die kommende Tortur vorzubereiten. Allein in Front fuhr ich in den zweiten Anstieg ein, Tim folgte in geringem Abstand. Steigungsprozente jenseits der 20%-Marke in Verbindung mit einem geschalteten großen Kettenblatt sorgten zwar für Vortrieb, die schmerzenden Oberschenkel winselten aber schon hier um Gnade. „Wenn Ihr wüsstet, was noch kommt...“ flüsterte ich meinen Beinen, unterdessen machte eine am Streckenrand anfeuernde Zuschauerin ihren Begleiter auf meinen offenbar flüssigen und ruhigen Tritt aufmerksam. „Ja, sieht aber auch nur so aus!“ entgegnete ich und konzentrierte mich weiter darauf, nicht vom Rad zu kippen.

Etwa zur Hälfte des Berges schloss Tim zu mir auf und überbrachte mir in ausführlichen und vollständigen Sätzen, dass keiner weiter folgt und wir ein Teamzeitfahren in Richtung Ziel machen können. Ich fragte mich zwar, wo er die Luft zum Sprechen hernahm - der Blick auf meinen Pulsmesser zeigte zu diesem Zeitpunkt den Maximalwert an - doch sein Angebot war angesichts der noch folgenden Flachpassage gar nicht schlecht.
Da ja, wie schon gesagt, im MTB-Sport leider nicht immer alles planbar ist, war ich nach der Abfahrt in die Stadt wieder alleine unterwegs, Tim musste seinen Downhill-Qualitäten Tribut zollen und von nun an Selbstgespräche führen.

Aus dem angedachten Team- wurde nun ein Einzelzeitfahren, Lenker schmal gepackt und mit Blick auf eine ordentliche Geschwindigkeit ging es um die Häuser, um das Altenheim sogar fast zweimal, da ich eine Abzweigung verpasste und mich erst neu sortieren musste. Mit allergrößter Vorfreude kam die Schwimmbadpassage in großen Schritten näher, das Spalier der Zuschauer wuchs Meter um Meter, die Lautstärke übertraf die eines Presslufthammers ganz locker, die Gänsehaut erreichte ungeahnte Ausmaße. Unfassbar, was hier auf die Beine gestellt wird, vielen Dank dafür!

Der noch ausstehende dritte Berg musste nun noch besiegt werden, zum Glück ist die Steigung an diesem nicht ganz so steil, dies liegt mir deutlich besser und ich konnte meinen Vorsprung von etwa einer Minute auf meinen direkten Verfolger halten und ausbauen. Auf Sicherheit und Ankommen fahrend ging es nach dem Erreichen des Gipfels in die teils sehr technische Abfahrt, ohne Probleme und mit viel Spaß konnte ich das Rad auch hier gut laufen lassen.
Mit dem Genuss war es jedoch am Fuße des Berges vorbei, ein Oberschenkelkrampf von der allerübelsten Sorte traf mich eiskalt und ohne Vorankündigung, meine sonst übliche Taktik vom Ignorieren klappte diesmal gar nicht. Mit dem beruhigenden Vorsprung ging es mit nun kleinerem Gang in die Stadt, die begeisterten und begeisternden Zuschauer lockerten die Beine besser als jeder Physiotherapeut, unter dem Jubel der in Doppelreihe stehenden Zuschauer konnte ich die Ehrenrunde durch die Innenstadt befahren und in vollen Zügen genießen.

Der wie immer brillante Streckensprecher empfing mich dort schon mit Blick in den wolkenverhangenden Himmel: „Alex, bist du wasserscheu?“ „Warum?“ „Na du hast dich doch sicher so beeilt, weil gleich mächtig was runterkommt.“ – Na gut, ich muss schon zugeben, dass mir der angekündigte und vorhersehbare Regen zusätzlich Beine gemacht hat, das Maximum war dennoch auch schon vorher erreicht.
Teamkollege Tim-Christopher Stahnke kam kurz nach mir ins Ziel, so hatten wir zumindest schon mal Doppelpodium inne. Fehlte nur noch Nikolaus Syc, um das Podest komplett in orange zu färben, da hatte jedoch ein fightender Jan Kaliciak (Team Bergbeißer) was dagegen und verwies Nik auf den vierten Platz.
Beeindruckt von der Begeisterung an der Strecke fuhren wir uns schließlich noch ausgiebig aus, es gab ja auch viel von der Strecke zu berichten.
Auch die Siegerehrung beim P-Weg ist mehr eine Zelebrierung unseres Sports und der Sportler, welche selbst viele hochkarätige Bundesliga- und Weltcupevents in den Schatten stellt, auch dafür großen Respekt! Dass ich nach Plettenberg zurückkehren werde, ist für mich keine Frage, sondern eine Pflicht – auch wenn es hier mal laut wird...

Nun geht es zur Marathon-DM nach St. Ingbert, meine Zielsetzung steht und daran wird gearbeitet, auch wenn es wieder böse Schmerzen geben wird. Macht aber nix, denn wie jeder, der meine Rennberichte liest, weiß, Schmerzen vergehen – aufgeben bleibt für immer. In diesem Sinne, drückt die Daumen!

FOTOS: Sportograf